Physikalische Grundlagen
Die Funktion piezokeramischer Aktoren
beruht auf der Deformation piezokeramischer
Materialien (z.B. Blei-Zirkonat-Titanat) unter
Einwirkung elektrischer Felder (reziproker
piezoelektrischer Effekt).
Wird an gepoltes piezokeramisches
Material eine Spannung in Polungsrichtung angelegt, so wird dieses
eine Ausdehnung und
senkrecht dazu eine Kontraktion ausführen.
Entsprechend dem eingesetzten Material
und dessen piezoelektrischer Deformationskonstanten d werden relative Dehnungen
um 0,15 %
erreicht.

- piezoelektrische Deformations(Ladungs-)konstante, Piezomodul
- elektrische Feldstärke
- Baulänge des Aktors
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Bild 1
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Der Dehnungseffekt ist also proportional
der Feldstärke und der Gesamtlänge des
Bauelements. Im Gegensatz zum konventionellen
Einsatz der Keramiken als Schwinger liegen
die Betriebsfeldstärken zum Erreichen hoher
Deformationseffekte im Bereich 2 kV/mm,
darüber tritt Sättigungsverhalten auf.
Feldstärken dieser Größenordnung werden auch
zum Polarisieren (Formieren) der Keramiken
angewandt. Man kann also beim Aktoreinsatz
der Piezokeramiken von elektrischen
Großsignalbetrieb sprechen.
Daraus
ergeben sich erhebliche
Abweichungen von den üblicherweise
angegebenen charakteristischen
Materialkonstanten (Kleinsignalkennwerte
,
,
).
Um hohe Dehnungen bei handhabbaren
Betriebsspannungen erzielen zu können, ist
eine Vervielfachung des Effekts an einer
Einzelscheibe erforderlich. Dies erfolgt durch
Stapelung (mechanische Reihenschaltung) einer
Vielzahl von Einzelscheiben und deren elektrische
Parallelschaltung zu einem Stapelaktor.
Bei einer üblichen Scheibendicke von 0,5 mm
werden Betriebsspannungen von 1000 V
erforderlich; 0,1 mm dicke Keramiken benötigen
nur noch 200 V Ansteuerspannung. Zu beachten ist
allerdings, daß nach Gleichung (1) in beiden
Fällen zur Erzielung einer gleichen Ausdehnung
eine Stapelhöhe von
erforderlich ist.
Aus Bild 2 ist ersichtlich, daß die Auslenkung bei
linearer Abhängigkeit von der Spannung auch im Remanenzbereich
Hysterese-Erscheinungen
zeigt.
Darüberhinaus ist der Verlauf der Hysterese
auch z.T.
noch von der
Dauer der Einwirkzeit des elektrischen Feldes (Zykluszeit) abhängig,
und damit ist auch der Hinweis auf Nachwirkungserscheinungen
bei Einwirkung (Halten) eines Feldes bestimmter Stärke oder nach
Abschalten des Feldes gegeben.
Negative Spannungen bezogen auf die Polungsrichtung der Scheiben bewirken
eine Kontraktion. Nach Überschreiten der Feldstärke E=0 erfolgt eine
Umpolarisierung der Keramiken. Unterhalb der E=0
treten starke temperatur- und zeitabhängige
Veränderungen des Polarisationszustandes auf, so daß
Spannungen entgegen der Polungsrichtung generell ausgeschlossen werden sollten!
Bild 2
Hysterese-Verlauf eines Aktorstapels aus FPM 220
Piezoaktoren im elektrischen Stromkreis
Im elektrischen Stromkreis stellen Piezoaktoren einen Kondensator mit
materialabhängiger relativer Dielektrizitätskonstante zwischen etwa
600 und 5000 sowie einem Innenwiderstand von über
Ohm dar.
Die
Kapazität ist im Großsignalbetrieb feldstärkeabhängig und kann bei Betriebsfeldstärke
auf über 150 % des Ausgangswertes ansteigen. Die
Ausdehnungsgeschwindigkeit des Aktors ist proportional dem zeitlichen
Aufladeverhalten der elektrischen Kapazität. Der dazu erforderliche
Strom errechnet sich:

Schlußfolgerungen daraus sind:
-
der maximale Ausgangsstrom der Spannungsversorgung ist bestimmend für
die Dynamik des Aktors,
-
niedrige Betriebsspannungen bei gleicher Dehnung/Bauhöhe des Aktors
durch Verringerung der Scheibendicke
um den Faktor 1/n bewirken
Kapazitätserhöhungen um den Faktor
.
Temperaturverhalten
Stapelaktoren weisen einen thermischen
Ausdehnungskoeffizienten von
etwa
auf. (Im seltenen Fall offener
Pole sind diese negativ.)
Die relative Dehnung
für den Werkstoff FPM 220 zeigt
Temperaturabhängigkeit:
Im Arbeitstemperaturbereich von -40 °C bis 80 °C ist die Änderung zu
vernachlässigen, zu tiefen Temperaturen hin nimmt
ab und oberhalb
125 °C
treten irreversible Depolarisationserscheinungen auf. Das
Temperaturverhalten ist werkstoffspezifisch.
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Bild 3 Thermische Abhängigkeit der Stapeldehnung (FPM 220)
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Werden Stapelaktoren mit Spannungen höherer Frequenzen angeregt,
tritt eine Eigenerwärmung infolge von kapazitiven und
Hystereseverlusten des piezokeramischen Materials auf. Bei
hochdynamischen Anwendungen sollten daher Materialien mit geringer
Hysterese im Remanenzbereich zum Einsatz kommen bzw. Kühlmöglichkeiten
vorgesehen werden.
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